Betreff
BVB/FREIE WÄHLER Bernau, Fraktion Bündnis für Bernau, SPD-Fraktion Bernau, Bündnis90/Die Grünen: Schutz von lgeln und Kleinsäugern vor Rasenrobotern und Freischneidern durch Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit
Vorlage
8-85
Art
Fraktionsübergreifende Vorlage

Inhalt und Begründung:

Grundsätzlich handelt es sich bei dem Antrag um kein Verbot oder die Maßreglung von Grundstücksbesitzern.

Schneide- und Mähgeräte wie beispielsweise Mähroboter, Motorsensen, Freischneider oder andere Gartenwerkzeuge sind eine nicht zu unterschätzende Gefahr für Igel und andere Gartentiere. Vor allem Mähroboter sind sehr beliebt. Da die Bedienungsanleitungen der Hersteller zu Recht oft darauf hinweisen, dass die Geräte nicht unbeaufsichtigt im Beisein von Kindern und Haustieren arbeiten dürfen, lassen manche Menschen ihren Mähroboter nachts laufen. Dies kann jedoch tödlich für Igel, Kleinsäuger und viele andere Tiere wie Insekten und Amphibien sein.

Und auch am Tage sind viele Tiere betroffen. Auch für Igel bleibt ein Restrisiko, da besonders tagsüber ausgehungerte Tiere unterwegs sein können, die nachts nicht genug Nahrung finden. Besonders im Frühjahr nach dem Winterschlaf sowie im Herbst, wenn junge Igel unterwegs sind, sollte man deshalb auch tagsüber auf Igel auf dem Rasen achten. Junge Igel sind dabei besonders gefährdet, da sie so klein sein können, dass sie auch unter Mähroboter passen.

Doch noch gefährlicher für Igel und andere Gartenbewohner als Mähroboter sind Freischneider, Motorsensen und Fadenmäher. Mit den motorisierten Schneidegeräten wird das Grün unter Büschen und Hecken geschnitten. Besonders hier ziehen sich die Igel tagsüber jedoch zum Schlafen zurück. Da die Geräte frei Hand geführt werden, variiert der Abstand zwischen Klinge und Boden sehr stark und Tiere, die nicht rechtzeitig fliehen können und nicht gesehen werden, werden regelmäßig schwer verletzt. Die Igel werden von Mäh- und Rasenrobotern oft so schwer verletzt, dass sie vom Tierarzt eingeschläfert müssen. Da die meisten verletzten oder getöteten Igel jedoch nicht gefunden werden, ist die Dunkelziffer dieser Fälle sehr hoch. Diejenigen, die unentdeckt bleiben, sterben besonders qualvoll, insbesondere jene, deren Gesichter zerstückelt oder schlichtweg abgeschnitten wurden. Wird ein weibliches Tier, das gerade Jungtiere aufzieht, schwer verletzt oder getötet, verhungert ihr Nachwuchs.

Eine Datensammlung zu verletzten Igeln (vom Leibnitz Institut, Frau Dr. Berger) gibt es für den Zeitraum vom September 2022 bis zum Juni 2023 und sie beschreibt schon mehrere hundert Fälle – Tendenz steigend. Seit dem Frühjahr 2023 verzeichnen die Igel-Stationen einen Fall-Anstieg von 30 bis 50 Prozent. Die Auswertung von 370 Fällen zeigte, dass es die häufigsten Verletzungsfälle in den Monaten Mai bis Juli gibt. Es wurde festgestellt, dass die Hälfte aller betroffenen Tiere stirbt. Bei der Anschaffung von Mährobotern und Freischneidern beträgt die jährliche Wachstumsrate mehr als 12 Prozent für den Zeitraum 2019 bis 2025. Entsprechend identisch ist auch ein Anstieg von verletzten Tieren zu verzeichnen.

Bei einem Ortstermin am 7.8.2024 in der Igelstation Panketal (Frau Grübner) wurden folgende aktuellen Zahlen zu verletzten Tieren mitgeteilt. Von 87 verletzten und anschließend verstorbenen Igeln im Jahr 2023 waren 24 durch Mähroboter und Freischneider verletzt worden. Aktuell befinden sich 13 verletzte Igel in der Auffangstation, davon 8 Tiere mit Verletzungen durch Motorsensen.

In jedem Fall erleiden diese verletzten Tiere lang anhaltende schwere Schmerzen, Leiden und Schäden, die durch menschliches Handeln verursacht werden und die nach europäischem und deutschem Tierschutzrecht nicht zu entschuldigen sind und so weit wie möglich vermieden oder begrenzt werden müssen.

Es kann davon ausgegangen werden, dass vom Menschen verursachte Schnittverletzungen bei Igeln keine seltenen Einzelfälle sind, sondern ein tierschutzrelevantes Problem darstellen, das schnellstmöglich Aufklärungsarbeit und technische sowie politische Lösungen erfordert.

Wie können Aufklärung und Erläuterung öffentlichkeitswirksam funktionieren?

Die Öffentlichkeitsarbeit kann sich beispielsweise im Stadtmagazin #BERNAUER und auf der Homepage der Stadt Bernau wiederfinden. Es könnten folgende Maßnahmen vorgeschlagen werden:

§  Vor dem Einsatz von Schneide- und Mähgeräten sollten Gartenbesitzer, Hausmeister und Bauhofmitarbeiter unbedingt auf Rasenflächen, unter Sträuchern oder im hohen Gras nach Igeln und anderen Tieren suchen und sie aus dem Gefahrenbereich entfernen, um sie nicht zu verletzen.

§  Mähroboter möglichst nicht unbeaufsichtigt arbeiten lassen und nur tagsüber laufen lassen. Gefährdete Tiere sind häufig nachtaktiv!

§  Einsatz von Mährobotern nur so oft wie nötig, Je häufiger Geräte laufen, desto grösser ist die Gefahr für Tiere.

§  Beim Kauf von Schneide- und Mähgeräte möglichst tierfreundliche Modelle wählen.

§  Tierfreundlichen Gestaltung von Gärten, um die Lebensbedingungen für Igel zu verbessern (z.B. Lücken in Zäunen lassen, Igelhäuser und Laubhaufen als Rückzugsorte für die Tiere).

 


Beschlussvorschlag:

Die Stadtverwaltung wird beauftragt, öffentlichkeitswirksame Informationen zu erarbeiten und zu publizieren, um den Schutz von Igeln und Kleinsäugern in urbanen und privaten Gärten zu verbessern. Dazu sollen den Bernauerinnen und Bernauern Informationen und Maßnahmenvorschläge zum Schutz von Kleinsäuger speziell Igeln, welche z.B. durch den Einsatz von Mährobotern und Freischneidern lebensbedrohlich gefährdet oder getötet werden können, in geeigneter Weise zur Verfügung gestellt werden.  
Die Stadtverwaltung wird weiterhin beauftragt, bei von ihr beauftragten Mäharbeiten auf öffentlichen Grünflächen oder städtischen Grundstücken, ihre Mitarbeiter bzw. von ihr beauftragte Dienstleister anzuweisen, entsprechende Maßnahmen zum Schutz von Igeln und Kleinsäugern vorzunehmen.

 


Finanzielle Auswirkungen:        Durch die Verwaltung zu benennen.

                                                                Deckungsvorschlag: Aus dem laufenden Haushalt.